Dieses Prüfverfahren wird hauptsächlich an gewebten Textilien durchgeführt, es kann jedoch auch auf textile Flächengebilde angewendet werden, die mit anderen Techniken hergestellt wurden. Nicht anwendbar ist das Verfahren auf Elastikgewebe, Geotextilien, Vliesstoffe, beschichtete Flächengebilde, Glasfasergewebe und textile Flächengebilde aus Kohlenstofffasern oder Polyolefinbandgarnen. Das Prüfverfahren spezifiziert ein Verfahren zur Bestimmung der Höchstkraft und Höchstzugkraftdehnung bei textilen Flächengebilden mit einem Streifenzugverfahren in einer Standardatmosphäre und an Proben im nassen Zustand.
Prinzipiell werden zwei Probensätze geprüft (5 Stück pro Satz): ein Satz in Kettenrichtung, der andere in Schussrichtung des Materials. Diese werden wie in der Norm festgelegt einzeln ohne Vorspannung eingespannt. Bei der Prüfung wird die Probe dann zunächst vorgespannt bis die vorgegebene Kraft erreicht ist, anschließend wird die Prüfung mit kontinuierlich steigender Dehnung (konstante Dehnungsrate) gestartet, wobei eine Kraft in Längsrichtung in eine Probe mit spezifizierter Länge und Breite eingeleitet wird, bis diese bricht. Als Ergebnisse werden dabei ausgehend vom Vorspannpunkt Höchstkraft und Bruchfestigkeit sowie Dehnung aus der aufgezeichneten Kraft-Dehnungs-Kurve bestimmt. Bei dieser Prüfung ist eine hohe Prüfdatenabtastrate zum PC von 100 Hz wichtig, damit eine hohe Anzahl von Datenpunkten erfasst wird.
Für diese Prüfung werden von uns pneumatische Spannzeuge mit gummibeschichteten Klemmbackeneinsätzen zum Einbau des Materials in einer Zugprüfmaschine eingesetzt. Ein manuelles Spannzeug kann zwar auch eingesetzt werden, viele Anwender bevorzugen jedoch ein pneumatisches Spannzeug, das höhere Bedienerfreundlichkeit, bessere Produktivität und bessere Wiederholbarkeit bietet. Ein pneumatisches Spannzeug ermöglicht die Vorgabe eines bestimmten Spanndrucks, während ein manuelles Spannzeug vom einzelnen Bediener abhängig ist (wobei die Klemmkraft von einem Bediener zum nächsten unter Umständen weniger wiederholbar ist). Außerdem hat sich gezeigt, dass der Spanndruck und die Ausrichtung der Probe bei diesen Prüfungen sehr wichtig sind. Ein zu hoher Spanndruck kann dazu führen, dass die Probe zu früh bricht, während ein zu niedriger Spanndruck zum Rutschen der Probe oder zum Bruch der Probe an den oder in der Nähe der Klemmbackeneinsätzen führt. Außerdem empfehlen wir, Klemmbackeneinsätze zu verwenden, die mindestens 10 mm breiter sind als die Probe und eine Höhe von mindesten 25 mm haben.
Normalerweise werden die Spannzeuge in Einsäulen- oder Zweisäulenprüfmaschinen in Tischausführung eingebaut. Mit Prüfsoftware wie z.B. Bluehill® 2 können Probendaten eingegeben, Prüfparameter vorgegeben, die gewünschten Ergebnisse und Statistiken automatisch berechnet und Prüfprotokolle erstellt werden - komplett in Übereinstimmung mit den Anforderungen der Norm. Bei diesem Prüfverfahren wird mit Hilfe der Vorlastfunktion der Bluehill-Software nach dem Einspannen der Probe die erforderliche Vorspannung erzeugt.
Wir empfehlen, vor Durchführung von Prüfungen genaue Informationen über die Prüfvorrichtung und die Anforderungen an die Prüfergebnisse in der ISO13934-1 nachzulesen.